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So steht es um das Thema Wirtschaftskriminalität in der Schweiz

1,4 Milliarden Franken: So hoch ist der Schaden, der 2016 in der Schweiz durch Wirtschaftskriminalität entstanden ist. Zwar war die Zahl der vor Gericht verhandelten Fälle mit 57 statt 91 Fällen deutlich niedriger, dennoch ergibt die Summe von umgerechnet 1,32 Millionen Euro den höchsten Verlust seit 2008.

Die Finanzbranche als Leidensträger

Dass gerade die Schweiz so stark betroffen ist, liegt nicht zuletzt an der konstant starken wirtschaftlichen Leistung des Landes. So überrascht die Tatsache nicht, dass zum Beispiel ganze 43 Prozent der Fälle von Cyberkriminalität in der Finanzdienstleistungsbranche zu verorten sind.

Besonders in der Finanzbranche kommen die Täter aus den obersten Rängen: Besonders Führungskräfte haben durch ihren Handlungsspielraum und die Machtposition im Unternehmen die Chance, Betrug oder ähnliche Delikte zu begehen. Aber auch private Vermögensberater und Devisenhändler gehören zur Tätergruppe.

Dr. Alexander Schuchter, Experte im Bereich Wirtschaftskriminalität, gibt an, dass derartige Täter häufig aus einer privaten Notlage heraus handelten und „unter finanziellem Druck“ stünden. Dies wird auch durch die Bilanz des vergangenen Jahres deutlich. In 13 Fällen war die Motivation die Finanzierung eines aufwendigen Lebensstils. In 7 Fällen sollte durch die Tat der Konkurs der eigenen Firma abgewendet werden.

Technologie als Angriffspunkt

Aber auch Cyberkriminalität ist ein nicht zu unterschätzendes Problem. Die starke Abhängigkeit von Technologie bedeutet nämlich, dass sich Hacker-Angriffe nie gänzlich verhindern lassen. 40 Prozent der Unternehmen, die in einer Studie von PwC zum Thema befragt wurden, befürchteten, innerhalb der nächsten zwei Jahre Opfer von Cyberkriminalität zu werden.

Obwohl in Unternehmen durchaus Bewusstsein über die äußerst reale Gefahr von Cyberangriffen besteht, werden nach wie vor häufig sensible Daten wie ausführliche Finanzinformationen von Kunden über hochanfällige Cloudsysteme geteilt. Diese bringen durch ihre Effizienz zwar zweifellos einen Wettbewerbsvorteil, sind aber eben auch ein Angriffspunkt für Hacker.

Schützen können sich Unternehmen also durch ein verstärktes Bewusstsein und stetige Überwachung möglicher Schwachstellen. Die wirtschaftliche Rentabilität sollte stets mit dem potenziellen Risiko abgewogen werden. Auch sollten bei der Aufdeckung derartiger Kriminalfälle rechtliche Schritte eingeleitet werden.

Auffällig ist nämlich: Während kriminelle Mitarbeiter des betroffenen Unternehmens in 82 Prozent der Fälle entlassen und 59 Prozent zivilrechtlich verfolgt wurden, waren die Zahlen bei externen Tätern deutlich geringer. Doch wird, so Schuchter, durch Entlassung „das Problem nur kurzfristig gelöst“. Eine genaue Aufarbeitung des Falles empfiehlt sich daher immer – auch wenn das womöglich das Prestige des Unternehmens mindert.

Rufschädiger Wirtschaftskriminalität

Die PwC-Studie zu Wirtschaftskriminalität zeigt außerdem, dass das Bewusstsein über den tatsächlichen Schaden, der entstehen kann oder bereits entstanden ist, eher gering ist. Mit 23 Prozent konnte knapp ein Viertel der befragten Unternehmen, die in den vergangenen 2 Jahren Opfer von Cyberkriminalität geworden waren, nicht genau sagen, auf welche Summe sich der Schaden belief.

Auf der anderen Seite werden derartige Verluste nicht selten verschwiegen, da das betroffene Unternehmen fürchtet, Prestige und Vertrauen zu verlieren. Wenn man jedoch bedenkt, dass jeder Fall Einblick in die Schwachstellen firmeninterner Systeme gibt, ist es kaum empfehlenswert, nicht öffentlich damit umzugehen. Denn besonders Hacker-Attacken werden nicht ab-, sondern vielmehr zunehmen und erfordern größtmögliches Bewusstsein sowie effektive Prävention.